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Lexikon

Mormonen

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (HLT), umgangssprachlich „Mormonen“, ist mit heute nach eigenen Angaben 15 Millionen Mitgliedern eine der erfolgreichsten Neureligionen. Weil sie in ihrer Heilslehre, ihrer Geschichtsdeutung und ihrem gesamten Leitungspersonal durch und durch amerikanisch geprägt und aufgrund ihrer Struktur und Theologie für interkulturelle Einflüsse weitgehend verschlossen ist, gilt sie als die amerikanische Religion schlechthin.

Entstehung und Geschichte

Die Geschichte der Mormonen ist ein Abenteuer. Die Pionierphase der USA waren aufregende Zeiten: Der junge Staat dehnte sich nach Westen aus, Kampf mit Indianern, Streit um die Sklaverei, Glücksritter reüssierten oder scheiterten über Nacht. Das „Great Awakening“ (1790 – 1830) brachte allerorten christliche Wanderprediger und neue Glaubensgemeinschaften hervor, darunter die Mormonen. Sie beginnen mit dem Bauernsohn Joseph Smith (1805 – 1844), der 1820 von seiner ersten Gotteserscheinung in den Wäldern hinter dem elterlichen Hof berichtet. Hier sagt Gott dem Jungen, er solle sich keiner der bestehenden Kirchen anschließen, ihrer aller Glaubensbekenntnisse seien ihm, Gott, ein Gräuel. Gott verwirft also nach mormonischer Diktion nicht nur die möglicherweise reformbedürftige und erneuerungsfähige äußere Gestalt aller damaligen christlichen Kirchen, sondern ihren Kern und Glaubensinhalt. Ein paar Jahre darauf zeigt ein Engel dem jungen Joseph jahrhundertealte goldene Platten, die er aber nach eigener Aussage niemandem zeigen darf. Da er kaum lesen und schreiben kann, geschweige denn Fremdsprachen beherrscht, erhält er zusätzlich magische Kristalle als „Prophetenbrille“, die er sich vor Augen hält und so die Platten übersetzen kann, indem er sie, hinter einem Vorhang verborgen, einem Freund diktiert. So entsteht die Offenbarungsschrift „Das Buch Mormon“, von dem die Mormonen ihren Namen haben. Smith achtete sehr darauf, dass niemand die Tafeln je zu Gesicht bekam, während er sie übersetzte.1 Danach gab er sie dem Engel zurück.

Auf dieser Grundlage gründete sich am 6. April 1830 die neue Gemeinde. Mormonen sehen darin die „Wiederherstellung“ der untergegangenen Urkirche in den „letzten Tagen“ vor der Wiederkunft Christi. Anfeindungen folgten bald. Smith hatte schon immer als etwas zu fantasiebegabt im Umgang mit der Wahrheit gegolten und war bereits früher mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Das Elitebewusstsein des neuen Glaubens, in den alttestamentliche, sozialutopische und freimaurerische Elemente einflossen, war vielen Zeitgenossen anstößig. Mehrfach wurden die HLT vertrieben. Ihr Weg führte immer weiter Richtung Westen: New York, Ohio, Illinois, Missouri. Gelegentlich landeten Smith und seine Mitstreiter im Konflikt mit ihrer Umwelt im Gefängnis.

Trotzdem wuchs die Gemeinde. Die Botschaft traf nämlich einen Nerv und passte perfekt in das junge Amerika: Laut dem Buch Mormon waren einige Israeliten im 6. Jahrhundert v. Chr. nach Amerika gekommen und hatten sich dort niedergelassen. Später erschien ihnen Jesus Christus nach seiner Jerusalemer Himmelfahrt, predigte das Evangelium, bestimmte zwölf Apostel und fuhr ein zweites Mal gen Himmel. In Amerika hatte auch der Garten Eden gelegen, und hier sollte die Wiederkunft Christi stattfinden. Zusammen mit einem ausgeprägten religiösen Fortschrittsoptimismus war dies eine perfekte Selbstbewusstseinsreligion für den jungen Staat.

Zu den turbulenten Anfängen passt, dass der Gründerprophet, als er wegen Zerstörung einer mormonenkritischen Zeitungsredaktion im Gefängnis saß, von aufgebrachten Bürgern 1844 erschossen wurde. Sein Nachfolger Brigham Young beschloss, die Mormonen noch weiter in die Wildnis zu führen. In einem gewaltigen Treck zogen tausende Menschen westwärts, bauten mitten in der Wüste 1847 die Stadt Salt Lake City und gründeten den Staat Deseret (später Utah genannt). Ärger gab es trotzdem, denn Joseph Smith hatte als Gottesoffenbarung die Polygamie verkündet, die in den USA verboten war. Viele Mormonen kamen dafür ins Gefängnis. Erst 1890 wurde die Polygamie suspendiert, damit Utah US-Bundesstaat werden konnte. Bis heute schlägt in Utah das Herz des Mormonentums, und noch immer bilden Utah-Mormonen die Mehrheit in allen hohen Leitungsgremien.

Aufgrund zahlreicher Spaltungen gibt es heute etwa 70 mormonische Gemeinschaften. Im deutschen Sprachraum ist neben den HLT nur die weltweit mit 250000 Mitgliedern zweitgrößte mormonische Gruppe, die „Gemeinschaft Christi“ (früher „Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“) nennenswert. Dagegen ist die nur in den USA verbreitete winzige „Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints“ mit ihrer Mischung aus Sex and Crime zwar ein Leckerbissen für die Medien (Polygamie und ein leitender Prophet, der im Gefängnis sitzt), aber in Wirklichkeit vernachlässigenswert.

Lehre und Praxis

Zentral ist das Wesen der HLT als Tempelreligion. Neben den wöchentlichen Gottesdiensten in den Gemeindehäusern finden bestimmte Rituale in einem der weltweit 144 öffentlich nicht zugänglichen Tempel statt (in Deutschland: Freiberg/Sachsen und Friedrichsdorf/Hessen). Die auf das Jenseits bezogenen Rituale gehen im Kern auf Joseph Smith zurück und unterliegen theoretisch der Arkandisziplin, sind aber heute allgemein bekannt. Es geht dabei u. a. um sog. Siegelungen, mit denen Eltern und Kinder sowie Eheleute für immer miteinander verbunden werden können. Diese Extrapolation des Irdischen ins Jenseitige hinein charakterisiert die mormonische Kosmologie. Damit hängt ein weiteres Tempelritual zusammen: die stellvertretende Taufe für die Toten. Zwischen der Urkirche und der Wiederherstellung 1830 gab es keine heilsvermittelnde Kirche. Daher bieten Mormonen den Verstorbenen die Aufnahme mittels Taufen, die an einem mormonischen Nachfahren der Toten vollzogen werden, nachträglich an (vgl. MD 10/2012, 394-397).

Obwohl Mormonen trinitarische Formeln verwenden, unterscheidet sich ihre Gotteslehre von der christlichen. In mormonischer Diktion ist Gott ein leibliches Wesen von menschlicher Gestalt, das zusammen mit seinem Sohn Jesus Christus an einem konkreten Ort lebt – manchmal als nahe des (fiktiven) Planeten Kolob gelegen spezifiziert – und in gemeinsamer Willenseinheit mit dem Heiligen Geist seine Schöpfung regiert. Auch die Vorstellung einer zu Gottvater und Sohn gehörigen Himmlischen Mutter ist teilweise verbreitet.

Die Anthropologie trägt eine gnostische Prägung. Menschen sind vor ihrer Geburt als Geistwesen bei Gott. Die vorübergehende Existenzform auf Erden dient der Bewährung unter den Bedingungen von Leiblichkeit und Willensfreiheit, bei der man durch Gesetzesgehorsam Fortschritte machen kann. Diese Entwicklung des Einzelnen ist Teil des Gesetzes des ewigen Fortschritts, den die ganze Schöpfung und auch Gott selbst durchlaufen. Dieser Fortschritt des Menschen geht nach dem Tod weiter. Im Endgericht entscheidet der Entwicklungsstand darüber, in welche von drei Stufen der Herrlichkeit man eingehen wird.

Theoretisch kann der Mensch diese Fortschrittsentwicklung sogar fortsetzen, bis er selbst zum Gott wird – so wie sich auch der Gott der Bibel auf diese Weise einst aus einem Menschen entwickelte. „Wir glauben an einen Gott, ... dessen Vollkommenheit im ewigen Fortschritt besteht, an ein Wesen, das Seinen erhöhten Stand erreicht hat auf einem Wege, auf dem jetzt seine Kinder vorwärts schreiten dürfen ... Wie der Mensch jetzt ist, war einst Gott; und wie Gott jetzt ist, kann der Mensch einst werden“ (Talmage, 448f).

Die HLT kennen neben der Bibel drei weitere Offenbarungsschriften: „Das Buch Mormon“, „Lehre und Bündnisse“ und „Die Köstliche Perle“. Die Möglichkeit solcher Schriften ergibt sich aus der Tatsache, dass nicht nur Joseph Smith ein Prophet war, sondern jeder seiner Nachfolger, heute „Präsident“ genannt, als lebender Prophet gilt, der von Gott neue Offenbarungen erhalten kann, die ihrerseits in die kanonischen Schriften aufgenommen werden können (was auch bis in die Moderne hinein geschieht).

Die Kirche ist einerseits hierarchisch aufgebaut. Oben steht die dreiköpfige „Erste Präsidentschaft“ mit dem Präsidenten an der Spitze. Darunter stehen absteigend der „Rat der Zwölf“ (Apostel) und der „Rat der Siebzig“. Andererseits ist sie demokratisch, denn fast jeder männliche Mormone ist ein Priester, und alle wichtigen Gemeindeämter unterhalb der hohen Leitungsfunktionen werden ehrenamtlich und auf Zeit ausgeübt. Ein Berufsklerus ist den HLT fremd. Allerdings ist der einzelne Amtsträger in seiner Lehre strikt an die dogmatischen Vorgaben der Leitung in Salt Lake City gebunden. Textexegese und theologische Meinungsvielfalt sind nicht vorgesehen. Für die HLT ist das Bekenntnis zur Demokratie (in Gestalt der amerikanischen Verfassung) Glaubensgegenstand – was sie allerdings nicht daran hinderte, sich aktiv und explizit mit der DDR-Diktatur sehr gut zu arrangieren.

Auffällig ist im Alltag die Enthaltsamkeit (kein Kaffee, Tee, Alkohol, Tabak, kein Sex vor der Ehe), die man als weltliche Seite der kultischen Reinheitsvorstellungen der Tempeltheologie sehen kann. Zentral ist auch die Betonung der Familie: Für Männer ist Familiengründung eine religiöse Pflicht, und jeden Montag ist weltweit Familienabend, d. h. die ganze Familie soll Zeit zusammen verbringen. Mormonen sind überdurchschnittlich gebildet und werden unterdurchschnittlich oft kriminell. Sie leben in einer Atmosphäre des Wertkonservatismus und Fortschrittsoptimismus. Dazu passend lehnen sie übrigens das Kreuz als christliches Symbol ab (vgl. aber Reed).

Junge Mormonen gehen oft auf einen anderthalb- bis zweijährigen Missionseinsatz (für Männer religiöse Pflicht, für Frauen freiwillig). In Deutschland, wo es 40000 Mormonen in 170 Gemeinden gibt, sind fortwährend ca. 700 Missionare im Einsatz. Ihr Beitrag zum Gemeindewachstum ist gering. Mitgliedergewinn geschieht – in Deutschland ohnehin minimal – eher durch persönliche Kontakte der Mitglieder. Aber der Missionsdienst stärkt bei den Betreffenden die Kirchenbindung sowie die Sprachfähigkeit über den eigenen Glauben. Die mormonische Mission richtet sich meist an Christen, wobei die Eigenheiten der eigenen Lehre im Unterschied zunächst bewusst im Hintergrund bleiben und v.a. das vordergründig Gemeinsame betont wird.

Einschätzung

Mormonen haben kein Interesse an der christlichen Ökumene, da Lehrgespräche sinnlos sind, wenn man sich im Besitz der einzig wahren und vollkommenen Offenbarung weiß. Doch sind sie ihrem weltzugewandten gesellschaftlichen Engagement entsprechend gelegentlich in Interreligiösen Räten engagiert, auch wenn es für sie im Hinblick auf das Verständnis der Wahrheit dort nichts zu lernen gibt. Obgleich der öffentliche Kenntnisstand über sie noch immer gering ist – viele Menschen assoziieren bis heute zuerst „Polygamie“ –, hat ihre soziale Stigmatisierung in den letzten Jahren stark abgenommen, was auch auf die religiöse Pluralisierung der Gesellschaft zurückzuführen sein dürfte.

Die strittige Frage, ob Mormonen Christen oder eine synkretistische Neuoffenbarungsreligion seien, wird man je nach Blickrichtung unterschiedlich beantworten. Keine der ökumenisch verbundenen Kirchen der Welt betrachtet die Mormonen als Christen. Für die Mitglieder jedoch ist die Verneinung des eigenen Christseins durch andere schwer nachvollziehbar, da Frömmigkeits- und Predigtpraxis ähnlich christusbezogen sind wie in den ökumenischen Kirchen. Dementsprechend wurde bis 1991 (EKD) bzw. 2001 (römisch-katholische Kirche) die mormonische Taufe als rite anerkannt. Mormonen stellen v.a. in der Außendarstellung ihre Gemeinsamkeiten mit dem christlichen Glauben in den Vordergrund. Unklar ist, warum Mormonen so viel Wert auf eine ökumenische Anerkennung als christliche Kirche legen, zugleich aber nur bei sich selbst die Wahrheit verorten und daher an der Lehre anderer Kirchen keinerlei Interesse haben.

Mehrere mormonische Lehren können als außerhalb der ökumenischen Christenheit gesehen werden, so z. B. die zusätzlichen, teilweise über der Bibel stehenden Offenbarungsschriften, die Neuoffenbarungen und die Totentaufe. Doch ist zu bedenken, dass die es zur Zeit der Urkirche noch keinen Kanon gab und dieser bis heute interkonfessionell nicht einheitlich ist, dass manche Kirchen Teile ihrer Lehre auf Tradition, nicht auf die Bibel gründen und dass auf die Totentaufe in der Bibel Bezug genommen wird.

Unüberbrückbar aber ist der Unterschied in der Gotteslehre. Sie ist auch der Grund, warum die Taufe der HLT nicht mehr anerkannt wird. Die Vorstellung, der zufolge (a) der Mensch Gott werden kann bzw. (b) der biblische Gott sich aus einem Menschen entwickelte, steht im diametralen Gegensatz zur biblischen Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf. Zwar spielt der erste Teil dieser Lehre in der Verkündigung der HLT heute kaum eine Rolle. Man könnte sie darum vergleichbar dem katholischen Dogma päpstlicher Unfehlbarkeit einordnen: eine evangeliumswidrige, aber praktisch nachrangige Sonderlehre. Jedoch ist sie der Kern des „Gesetzes vom Ewigen Fortschritt“ und durchzieht als Grundlage der gesamten Theologie, Kosmologie und Anthropologie das Lehrsystem der HLT. Sie ist nicht vom Gesamtaufbau zu trennen. Wenn Mormonen von Christus und Trinität sprechen (etwa, wenn sie der Basisformel des ÖRK zustimmen), so meinen sie mit den Begriffen etwas völlig anderes als die ökumenische Christenheit. Wer die eigene Christologie ernst nimmt, muss feststellen: Gotteslehre und Christologie der HLT sind nicht christlich. Das ist kein Grund zur Ablehnung von Kontakten zu ihnen. Das evangelische Verhältnis zu Mormonen sollte sich am Verhältnis zu anderen Religionen orientieren.


Literatur

Bushman, Richard Lyman: Mormonism. A Very Short Introduction, Oxford 2008
Bringhurst, Newell G./Smith, Darron T. (Hg.): Black and Mormon, Urbana/Chicago 2006
Brodie, Fawn M.: No Man Knows My History. The Life of Joseph Smith, New York 21971
Cornwall, Marie et al. (Hg.): Contemporary Mormonism, Urbana/Chicago 2001
Davies, Douglas J.: An Introduction to Mormonism, Cambridge 2003
Funkschmidt, Kai (Hg.): Die Mormonen zwischen Familiensinn und politischem Engagement, EZW-Texte 219, Berlin 2012
Hauth, Rüdiger: Tempelkult und Totentaufe. Die geheimen Rituale der Mormonen, Gütersloh 1985
Mauss, Armand L.: The Angel and the Beehive. The Mormon Struggle with Assimilation, Urbana/Chicago 1994
Obst, Helmut: Apostel und Propheten der Neuzeit. Gründer christlicher Religionsgemeinschaften des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 2000
Reed, Michael G.: Banishing the Cross. The Emergence of a Mormon Taboo, Independence 2012
Robinson, Stephen E.: Sind Mormonen Christen?, Bad Reichenhall 1993
Trobisch, David: Mormonen – die Heiligen der letzten Zeit? (R.A.T. 11), Neukirchen-Vluyn 1998


Quellen

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Hg.): Das Buch Mormon – Ein weiterer Zeuge für Jesus Christus. Lehre und Bündnisse. Die Köstliche Perle, Frankfurt a. M. 2003
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Hg.): Liahona (Monatszeitschrift, Utah, in 48 Sprachen übersetzt), www.liahona.lds.org
Talmage, James E.: Die Glaubensartikel, Berlin u. a. 41950 (engl. 1899), https://archive.org/stream/articlesfaithas00talmgoog#page/n6/mode/2up


Internet

www.kirche-jesu-christi.org (deutsche Homepage der HLT)
www.lds.org/liahona?lang=deu&cp=deu-de (deutsche Ausgabe von Liahona)
www.presse-mormonen.de (deutsche Seite mit aktuellen Nachrichten)
www.lds.org/scriptures?lang=deu (mormonische Heilige Schriften inkl. Volltextsuche)
http://eom.byu.edu (Encyclopedia of Mormonism)


Anmerkung

1 Dem Buch Mormon sind zwei undatierte kurze Dokumente vorangestellt, die die Existenz der Platten bezeugen sollen. „Das Zeugnis der drei Zeugen“ (drei der frühesten Anhänger Smiths) beschreibt eine Vision, in der ein Engel ihnen die Platten zeigt. Es handelt sich also um ein Glaubenszeugnis, das in dieselbe Kategorie fällt wie Joseph Smiths eigene Aussagen. „Das Zeugnis von acht Zeugen“ (sieben Familienmitglieder Smiths, die seiner Lehre folgten, und sein Schreiber) ist selbstwidersprüchlich. Die Zeugen behaupten, die Platten in Händen gehalten zu haben, dies aber zu einem Zeitpunkt, wo sie Smith nach eigener Aussage bereits dem Engel zurückgegeben hatte.
Das einzige von Smith übersetzte Dokument, dessen physische Existenz außer Frage steht, ist das „Buch Abraham“ (Teil der „Köstlichen Perle“). Dies soll die Übersetzung eines ägyptischen Papyrus sein, der 1835 in Smiths Hände gelangte. Als die HLT im 20. Jhdt. einer Untersuchung durch unabhängige Ägyptologen zustimmten, zeigte sich, dass der Text keinerlei Bezug zu Smiths Übersetzung hatte.


Dr. Kai Funkschmidt, September 2015*

* Leicht überarbeitete Fassung des Stichworts „Mormonen“, das im Materialdienst 6/2015, 231-234, erschienen ist.